Gesellschaftsstrukturen

In Bangladesch leben insgesamt ca. 153 Millionen Menschen auf etwa 148.400 Quadratkilometern. Bangladesch gehört damit zu den Ländern mit den meisten Einwohnern pro Quadratkilometer auf der Welt; nach offiziellen Angaben der Regierung sind es durchschnittlich 904 Menschen pro Quadratkilometer (zum Vergleich: In der Schweiz liegt die Zahl der Einwohner pro Quadratkilometer bei ca. 184). Die Bevölkerung des Landes nimmt pro Jahr um ca. 2.1% zu. Fast alle Einwohner von Bangladesch sind Bengalen (ca. 98%); neben den Bengalen leben die so genannten Bihari und verschiedene Stammesvölker in Bangladesch. Etwa 778.000 Menschen werden diesen Stämmen zugerechnet, die vor allem in den Regionen von Mymensingh, Sylhet, and Rajshahi und in den Hügellregionen von Chittagong leben. Trotz schnell wachsender Städte wie Dhaka bewohnt nur etwa ein Viertel der Bevölkerung den urbanen Raum: Die Einwohner von Bangladesch sind meist Landbewohner.

Sprachen
Etwa 95% der Einwohner von Bangladesch sprechen die einheimische Sprache Bengali (auch „Bangla“ genannt); Englisch ist in den Mittel- und Oberschichten des Landes eine ebenfalls verbreitete Sprache.

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Religion
88,3% aller Einwohner von Bangladesch sind laut Angaben der Botschaft Bangladeschs in Deutschland Moslems; ihnen stehen 10,5% Hindus gegenüber. Buddhisten, Christen und Anhänger von Naturreligionen machen jeweils einen Anteil von weniger als einem Prozent der Bevölkerung Bangladeschs aus. Im Allgemeinen kann in Bangladesch heute von einem toleranten Islam ausgegangen werden; Fanatismus existiert, hat jedoch nicht die Oberhand im Land. Ohne religiöse Konflikte präsentiert sich Bangladesch jedoch nicht; insbesondere in der Vergangenheit hat es auch Gewaltakte gegeben, 1971 etwa mehrere Massaker an der Hindubevölkerung in Bangladesch, denen bis zu drei Millionen Menschen zum Opfer fielen. Bekannt wurden auch die Drohungen, die die Ärztin und Schriftstellerin Taslima Nasrin zur Ausreise aus Bangladesch zwangen; eine Reihe ihrer Bücher wurde in Bangladesch verboten. Taslima Nasrin setzt sich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein. Der literarische Wert ihrer Bücher ist umstritten: Manch ein Kritiker setzt ihn nicht hoch an. Ihr selbst wurden jedoch im Laufe der Jahre mehrere bedeutende Preise verliehen, etwa der UNESCO-Preis für die Förderung von Toleranz und Gewaltlosigkeit im Jahre 2004.

 

Bildung
In Bangladesch herrscht Schulpflicht; allerdings reicht die staatliche Schul-Infrastruktur nicht aus, um allen Kindern Bangladeschs einen Schulplatz anbieten zu können. Private Schulen und Schulen von Nichtregierungsorganisationen füllen die Lücke, sodass die Einschulungsrate in Bangladesch heute nach Angaben des Deutschen Auswärtigen Amtes bei etwa 90% liegt. Laut CIA Factbook können bisher dennoch nur 43,1% aller Einwohner Bangladeschs lesen und schreiben, wobei Männern hier eher eine Schulbildung vergönnt zu sein scheint als Frauen: 53,9% der Männer — so das Factbook — sind des Lesens und Schreibens mächtig, aber nur 31,8% der Frauen. (Die Zahlen für die Frauen stammen allerdings aus dem Jahr 2003). Laut der Botschaft Bangladeschs in Deutschland liegt die Alphabetisierungsrate im Land mittlerweile höher und zwar bei 65%. Ein Projekt für Berufsbildung wurde mit den so genannten mobilen Schulen von der Organisation MISERIOR gestartet. Diese mobilen Schulen kommen mit Werkzeugen und Maschinen in die Dörfer von Bangladesch, um Jugendliche bei der Berufsbildung zu unterstützen. Ein anderes Schulprojekt kümmert sich speziell um arbeitende Kinder, von denen es Anfang 2007 etwa 7 Millionen in Bangladesch gab. Wichtig für Bangladesch wird neben der gestiegenen Zahl der Kinder, die zur Schule gehen, auch eine weitere Steigerung der Qualität im schulischen Unterricht sein.

 

Die Bildungsstadt Rajshahi
Rajshahi wird auch als Bildungsstadt Bangladeschs bezeichnet. Hier befindet sich beispielsweise die Rajshahi University of Engineering and Technology; Rajshahi ist zudem unter anderem Standort einer weiteren Universität, zahlreicher Colleges und Hochschulen.

 

Medizin
Nach Angaben des CIA Factbook gehören Diarrhö, typhusartiges Fieber, Hepatitis A und E, das Dengue Fieber and Malaria zu den Krankheiten, die in Bangaldesch zum Problem werden. Auch HIV und Aids sind in Bangladesch eine relativ hohe Bedrohung für die Bevölkerung, so die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit der Schweiz. Das deutsche Auswärtige Amt bezeichnet die medizinische Versorgung in Bangladesch als „generell technisch, apparativ und hygienisch unzureichend“; das gilt auch in den Krankenhäusern der größeren Städte. Im Allgemeinen sind medizinische Leistungen auch in Bangladesch kostenpflichtig, ohne dass Krankenversicherungen die Kosten tragen. Den ärmeren Bevölkerungsteilen in Bangladesch bleibt eine medizinische Versorgung deshalb oftmals versagt. Etwas Abhilfe schaffen hier medizinische Projekte wie das von Cap Anamur/ Deutsche Notärzte e.V. unterstützte Hospital einer kirchlichen Organisation in Khanjanpur – Joypurhat, das Patienten kostenfrei betreut.

Bevölkerungsgruppen und Schichten

Große Teile der Gesellschaft in Bangladesch sind trotz schnell wachsender Städte landwirtschaftlich geprägt. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Deutschland macht die Landbevölkerung in Bangladesch 74,5% der Gesamtbevölkerung aus, währen in den Städten 25,5% der Bevölkerung leben. Viele der Bauern (ca. 70%) sind praktisch landlos, besitzen maximal 0,4 Hektar und sind daher auch kaum in der Lage, ein Netz der Selbstversorgung aufzubauen. Die Bauern mit drei oder mehr Hektar Land können sich bereits zur besitzenden Schicht auf dem Land zählen. Sie verdienen an Pacht, als Händler und sie verleihen auch Geld. In den ländlichen Regionen Bangladeschs herrscht ein so genanntes Patronagesystem, in der Menschen mit weiter reichenden wirtschaftlichen und politischen Möglichkeiten sehr stark die Geschicke der Anderen bestimmen.

 

Viel Arbeit, wenig Lohn (Armut)
Eine Reihe von Arbeitern in Bangladesch arbeitet für sehr wenig Geld sehr viel. Die Zeitung The Guardian in Großbritannien berichtete von einem 24-jährigen Arbeiter, der meist mehr als 80 Stunden pro Woche arbeitet, alle 14 Tage einen Tag frei hat und dafür im Monat ca. 3.400 Taka bekommt (ca. 38 Schweizer Franken). Das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit geht für das Jahr 2005 von einem Anteil von 30% unterernährter Menschen an der Bevölkerung aus.

 

Human Development Index (HDI)
Der so genannte HDI wird Jahr für Jahr im Human Development Report des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen veröffentlicht. Er vergleicht Länder weltweit anhand von Faktoren wie dem Einkommen pro Kopf, der Bildungsrate und der Lebenserwartung der Menschen im Land. Bangladesch lag im Report 2007/2008 auf dem Platz 140 von 177 verglichenen Ländern.

 

Soziale Ungleichheit
Ein Indikator für die Verteilung von Einkommen und Vermögen in der Bevölkerung ist der so genannte Gini-Koeffizient. Die gemessenen Werte können zwischen 0 und 1 bzw. zwischen 0% und 100% liegen; je mehr sich der Wert der 1 bzw. der 100 annähert, desto größer sind die Unterschiede innerhalb eines Landes. Als Erfinder des Wertes gilt der italienische Statistiker Corrado Gini. Im Entwicklungs-Programm Report 2004 der Vereinten Nationen lag Bangladesch auf dem 27. Platz mit einem Koeffizienten von etwa 0,32. Zum Vergleich: Die Schweiz hatte einen Koeffizienten von 0,33. Die Einkommensungleichheiten sind also — bezogen auf die Gesamtbevölkerung — im Vergleich zu vielen afrikanischen und südamerikanischen Ländern relativ gering. Allerdings stammen die der Länderliste zugrunde liegenden Zahlen zum Teil noch aus den 90er Jahren.

 

Unruhen
In Bangladesch herrscht Ausnahmezustand (Stand August 2008). Er wurde angesichts von Unruhen vor der Parlamentswahl im Januar 2007 verhängt. Politische Unruhen sind keine Seltenheit in Bangladesch. Die deutsche Sektion von Amnesty International berichtet von einer starken Einschränkung der Menschenrechte im Land; Folter — so Amnesty weiter — ist keine Seltenheit. Sicherheitskräfte sollen im Berichtsjahr 2007 der Organisation für den Tod von mindestens 100 Menschen verantwortlich sein; mindestens sechs Menschen wurden im Berichtsjahr hingerichtet, was allerdings im Vergleich mit beispielsweise den Vereinigten Staaten von Amerika (42 Hinrichtungen im Berichtsjahr) eher als gering erscheint. Frauen müssen teilweise immer noch sehr stark um ihre Rechte in Bangladesch kämpfen. Säureattentate auf Frauen durch verschmähte Liebhaber sind — so Amnesty International 2006 — in Bangladesch häufiger als in jedem anderen Land der Welt. All diese Informationen sollen kein völlig falsches Bild des Landes erzeugen; es gibt viele Demokraten in Bangladesch, viele, die für die Gleichstellung von Frau und Mann kämpfen, die Armut beseitigen möchten, aber sie haben einen schweren Kampf zu führen.

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Wichtige Fakten über Bangladesch

  • Amtssprache:Bengalisch
  • Hauptstadt:Dhaka
  • Fläche:148'000 km2
  • Einwohnerzahl:Über 153 Mio (Stand Juli 2008)
  • Ethinc:98% Bengali, 2% Bihari
  • Währung:Taka
  • Wechselkurs:100 CHF = 6858.37 Bangl. Taka
  • Telefonvorwahl:+880
  • Schweizer Export:CHF 96.35 Mio
  • Schweizer Import:CHF 116.84 Mio
  • Sprache:Bengali, English